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Wie können wir unserer Innenstadt wieder Leben einhauchen?

  • 17. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Finden Sie es nicht auch sehr traurig, dass in unserer Innenstadt so viele Geschäfte leer sind und die Vielfalt an Angeboten immer kleiner wird?

Aus meiner Sicht ist es die Aufgabe der Stadtverwaltung und allen voran des Oberbürgermeisters, die Innenstadt wirklich wieder zu beleben und den Leerstand in den vielen Geschäften zu beenden.

 Wenn ich mich an meine Jugend erinnere, denke ich daran, wie bezaubernd es vor allem in der Vorweihnachtszeit ist, ein schön geschmücktes Schaufenster anzusehen: so wie beim Spielwaren Fischer im alten Einkaufszentrum, immer wenn die Eisenbahn aufgebaut war, oder beim Spielwaren Kurz in Stuttgart, als noch am Eck am Rathausplatz der Pustefixbär seine Seifenblasen gepustet hat. In Paris werden zur Weihnachtszeit extra Podeste vor den Schaufenstern der großen Warenhäuser aufgebaut, damit auch die Kinder alles sehen können.

Auch in Paris kann ich mich an die langen Schlangen erinnern vor den Macaron-Geschäften Ladurée oder auch vor den Bäckereien, wo die zuletzt prämierten besten Baguettes zu kaufen waren.

In Nürnberg gibt es auch den Handwerkerhof, wo viele Neugierige von weit herkommen, nur um den Handwerkern bei der Arbeit zuzusehen.

Können wir nicht auch durch Wettbewerbe Spezialitäten prämieren und bewerben, die besonders sind und für unser Böblingen und unser Dagersheim stehen? Unsere Handwerker haben das Talent und die Phantasie, Spezialitäten zu kreieren, die ein breites Publikum finden und Neugierige, Kenner, Feinschmecker oder Liebhaber von nah und fern ansprechen und anlocken. Da Spezialitäten besonders sind, haben sie ja per Definition keine direkte Konkurrenz und können auch nicht anderswo gefunden werden. Somit machen diese Spezialitäten Böblingen und Dagersheim einzigartig und sorgen so für viel Publikumsverkehr besonders in den Innenstädten, von dem auch die anderen Geschäfte profitieren. Mit der Bewerbung durch die BBapp, das Stadtmarketing und Influencer kann die Sichtbarkeit und Nachfrage noch verstärkt werden.

Beim Metzger Hermann gibt es jetzt schon zum Beispiel den Böblinger Schinken oder die Böblinger Schnecke. Bei den Böblinger und Dagersheimer Spezialitäten muss es sich aber nicht nur um Speisen oder Getränke handeln. Handwerker können jede Art von Einzigartigem als lokale Spezialität erschaffen, z. B. Accessoires, Kleidungsstücke oder jegliche Art von Kunst-, Dekorations- und Gebrauchsgegenständen.

Gerade die Luxusindustrie wächst auch in Krisenzeiten immer weiter. Ihr Geheimnis ist, dass es viele zahlungskräftige Kunden gibt, die gerade das Besondere oder das Spezielle suchen und dafür bereit sind, Geld auszugeben.

Die Spezialitäten können durch einen von der Stadt organisierten Wettbewerb anlässlich eines Festes durch die Mitbürgerinnen und Mitbürgern prämiert und anschließend beworben werden. Der Wettbewerb und das Fest wird dabei viele Neugierige anlocken, vor allem, wenn es etwas kostenlos zu probieren gibt.

So ein Wettbewerb kann natürlich auch für das schönste oder interessanteste Schaufenster in der Innenstadt  veranstaltet werden. Am erfolgreichsten sind dabei animierte und bewegte Figuren und Gegenstände. Hierfür kann den Schaufensterbesitzern durch ein Netzwerk mit unseren Schulen oder Handwerkern Unterstützung geboten werden. Schülerinnen und Schüler machen dabei neue Erfahrungen und werden motiviert, und Handwerker und Ladenbesitzer profitieren von einer größeren Sichtbarkeit.

Diese Schaufenster müssten dann natürlich auch beworben und herausgestellt werden. Schilder wie in früheren Zeiten oder aber auch Podeste und Überdachungen mit Schriftzügen, die von weitem schon auf das zu erwartende Schauvergnügen hinweisen, können zusätzlich helfen, Neugierigen und Kunden den Weg zu weisen.

Was den Leerstand angeht, ist der Grund oft, dass der Vermieter keinen Mieter findet, der genügend solvent erscheint, um für eine längere Zeit die Miete bezahlen zu können.

Die Stadt kann da eine Lösung bieten, indem sie für einen für Böblingen und Dagersheim interessanten Mieter bürgt oder auch dessen Miete und Ausstattung übernimmt, wenn dessen Angebot in unser Stadtbild passt, keine direkte Konkurrenz für die alteingesessenen Geschäfte darstellt und vor allem Kunden in die Innenstadt lockt, die bereit sind, in möglichst vielen Geschäften Geld z. B. für Spezialitäten auszugeben.

Ideen für solche Gewerbe, die Kunden und Neugierige auch von weither anlocken können, hat wohl jeder:

 

Speziaitäten und handgefertigte Einzelstücke haben ihren eigenen Markt und können nicht bei den großen Handelskonkurrenten, die dem Einzelhandel in Böblingen und Dagersheim das Leben schwer machen, billig gekauft und geliefert werden. Interessierte müssen so direkt in der Innenstadt beim Handwerker oder Künstler kaufen oder auch beim örtlichen Einzelhandel, der diese auch anbieten kann. Durch diese zusätzlichen Besucher profitieren dann alle Einzelhändler und Gewerbetreibende.

In dieses Konzept wird die Gastronomie eingebunden, um die Verweilqualität in der Innenstadt weiter zu erhöhen und zum Flanieren einzuladen.

Insbesondere das Künstlerviertel könnte dadurch aufgewertet werden, dass Kunstschaffende und Handwerker, die sich durch die Schaufenster bei Ihrer Arbeit zusehen lassen, in einigen der leerstehenden Gebäude angesiedelt werden. Davon profitiert das bisherige Gastgewerbe, so dass sich wieder gemütliche Cafés und urige Kneipen, die zur Geselligkeit einladen, ansiedeln. So gewinnen Gewerbe und Gastronomie gleichermaßen, da dann das Künstlerviertel sowohl tagsüber als auch abends ständig belebt ist.

Des Weiteren können Besuchstage für interessierte Schulklassen organisiert werden, um den Schulkindern das Handwerk näherzubringen und ihre Kreativität zu fördern.

Die Stadt muss vor allem dazu auch das Umfeld schaffen, dass sich dieses innovative Innenstadtkonzept voll entfalten kann. Die interessierten Besucher aus Böblingen und von außerhalb sollten ideale Verkehrsbedingungen mit Öffis sowie Parkplätze und Stellplätze idealerweise mit Lademöglichkeiten für ihr Auto oder Fahrrad vorfinden und Fußgänger die Möglichkeit zu flanieren. Weitere Unterstützung kann die Stadt durch Vernetzung und Werbung auf der BBapp sowie durch Veranstaltung von Schautagen und Themenfesten und so weiter bieten. Die bestehenden Sehenswürdigkeiten und neue Attraktionen tragen auch dazu bei, Kunden und Besucher in die Innenstadt zu lotsen.

Außerdem sollte die Stadtverwaltung die Attraktivität der Innenstadt durch die Verlängerung der Öffnungszeiten an bestimmten Tagen und Wochenenden erhöhen. An diesen speziellen Einkaufsabenden können wie bei den 'Night Markets' Foodtrucks und künstlerische Attraktionen Kunden und Besucher anlocken und zum Flaniern einladen.

Handwerker und Künstler, im Speziellen auch Handwerksgesellen und Abgänger von Kunstschulen, können sich für die Eröffnung ihrer Betriebe in leerstehenden Gewerbegebäuden bewerben und z. B. durch Wettbewerbe, Stipendien oder andere Auswahlverfahren einer Jury ausgewählt werden. Die Verträge sollten in jedem Fall an Bedingungen geknüpft werden und eventuell auch zeitlich begrenzt oder mit einer Erneuerungsklausel unter bestimmten Konditionen versehen sein.

Außerdem muss Böblingen durch Begrünung und Möblierung der vielen versiegelten Flächen sowie Bereichen mit fragwürdigem Hinterhofcharakter wieder attraktiver werden. Bereiche um die Bahnhofstrasse müssen aufgewertet werden. Zum Beispiel kann an der eingezäunten Grünfläche am oberen Käppele, wo viele Seniorinnen und Senioren schwer beladen mit Ihren Einkäufen vom Postplatz kommend vorbeilaufen, ein schön bepflanzter kleiner Platz eingerichtet werden mit Sitzmöglichkeiten zum Verschnaufen in der Sonne.

Es muss aber immer auch die Frage der Kostendeckung im Vordergrund stehen. Um die ursprünglichen Aufwendungen der Stadt (finanzielle und materielle Anschubunterstützung) zu decken oder zumindest zu minimieren, müssen sich die Geförderten nach einer gewissen Zeit finanziell selber tragen.

 

 
 

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