Vorstellungsrede zur Präsentation der OB-Kandidaten in der Kongresshalle Böblingen und in der Festhalle Dagersheim:
- 21. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
viele von uns spüren es im Alltag: Die Zeiten sind schwieriger geworden. Alles wird teurer. Und ja – auch unsere Stadt kann sich längst nicht mehr alles leisten. Genau deshalb ist jetzt der Moment, ehrlich hinzuschauen: Wo steht Böblingen heute – und warum? Und noch wichtiger: Was müssen wir jetzt tun, damit Böblingen morgen wieder stark ist?
Ich will mit Ihnen heute offen sprechen. Nicht mit Parolen. Nicht mit Beschönigungen. Sondern so, wie man es in einer Familie tut, wenn es um die Zukunft geht
Wo stehen wir heute – und warum?
Als OB Belz sein Amt antrat, war die Stadtkasse gut gefüllt. Heute, acht Jahre später, sind die Rücklagen nahezu aufgebraucht. In der aktuellen Haushaltsplanung ist vorgesehen, dass Böblingen Ende 2026 sogar rund 25 Millionen Euro Schulden aufgenommen haben wird – und 2027 über 50 Millionen Euro. Und das, ohne einen klaren Plan, wie wir diese Schulden jemals wieder abbauen können. Und das alles nicht wegen den zusätzlichen Belastungen der Kommunen seitens des Bundes. Nein! Er hat einfach nicht richtig gewirtschaftet als die Zeiten gut waren.
Das Entscheidende ist: Das war absehbar. Seit 2019 war klar, dass die laufenden Kosten und Verpflichtungen dauerhaft höher sind als die Einnahmen. Und zu diesen laufenden Kosten kommen die Kosten für all unsere Zukunftsinvestitionen noch hinzu: Für weitere Schul- und Gebäudesanierungen, Digitalisierung, Klimaschutz, Wiederbelebung der Hulb, Schlossbergbebauung. Trotzdem wurde weiter Geld ausgegeben, als könnte es ewig so weitergehen. Teilweise wurden in der Finanzplanung sogar Kreditaufnahmen von über 140 Millionen Euro beschlossen. Dass es nicht so weit kam, lag nicht an konsequenter Konsolidierung – sondern an unverhofften Gewerbesteuernachzahlungen. Also an Glück. Und eine Stadt darf nicht vom Glück abhängig sein.
Was heißt das für uns alle? Es heißt: Für viele notwendige Investitionen ist erst einmal kein Geld mehr da. Für Schul- und Gebäudesanierungen. Für echte Digitalisierung. Für Maßnahmen zur Klimaneutralität bis 2035. Für die Innenstadt. Für die Sicherung von Gewerbeflächen. Für Zukunftsprojekte wie ein Innovations- und Technologiezentrum auf dem Krankenhausareal – oder auch ganz konkret für den Neubau der Paul-Lechler-Schule bis 2030 mit rund 20 Mio. EUR, die Schlossbergbebauung mit rund 30 Mio. EUR und das neue Gebäude auf dem Postareal für Stadtbibliothek und Volkshochschule mit rund 44 Mio. EUR… und für Dagersheim: das Rappenbaumschulzentrum mit Hallenbad und Mehrzweckhalle sowie die Schwippebrücken.
All diese Projekte sind nicht einmal in der Finanzplanung bis 2029 abgebildet.
Und das führt zu einer einfachen Frage:Reicht das für acht Jahre Amtszeit?Meine Antwort ist klar: Nein.
Böblingen war einmal besonders stark. Warum? Weil frühere Stadtspitzen mutige Entscheidungen getroffen haben. Wir profitieren bis heute davon, dass Oberbürgermeister Wolfgang Brumme in den 50er- und 60er-Jahren aktiv auf Unternehmen zugegangen ist. Er hat IBM und HP überzeugt, hierher zu kommen, zu uns. Er hat den Grundstein gelegt für das, was später unsere technologische Identität wurde – für das Herman-Hollerith-Zentrum, für die Bedeutung der Hulb, für die Innovationskraft, auf die wir noch heute stolz sind.
Böblingen ist nicht groß geworden, weil Unternehmen zufällig hierherkamen. Böblingen ist groß geworden, weil man sie aktiv geholt hat.
Und deshalb sage ich: Wenn wir heute kaum neue Unternehmen ansiedeln, wenn wir keine neuen Gewerbeflächen sichern, dann verlieren wir genau das Fundament, das Böblingen stark gemacht hat: Gewerbesteuer, Arbeitsplätze, Einkommensteuer, Kaufkraft – und damit Zukunft.
Es wird gesagt: „Wir entwickeln ab 2028 ein Innovations- und Technologiezentrum auf dem Krankenhausareal.“Ich frage Sie: Können wir bis 2028 warten? Können wir es uns leisten, zwei oder drei weitere Jahre zu verlieren?
Und was ist mit den Unternehmen und Start-ups, die jetzt nach Böblingen kommen wollen? Was sagen wir ihnen, wenn wir ihnen heute keine geeigneten Flächen anbieten können?
Denn genau das ist das Problem: Wir haben zu wenig verfügbare Gewerbeflächen. Das wurde der Stadt sogar von einem Beratungsunternehmen bescheinigt – ausgerechnet von einem Gutachten, das die Stadt selbst in Auftrag gegeben hat.
Start-ups brauchen zunächst Förderung. Sie wachsen. Und wenn sie groß werden, brauchen sie Platz. Wenn wir ihnen diesen Platz nicht geben können, ziehen sie weiter – in Nachbarstädte, die Gewerbegebiete haben. Dann bleibt bei uns der Aufwand, aber die Wertschöpfung geht woanders hin.
Wollen wir wirklich ein „Weiter so“, bis Böblingen noch tiefer in die Schuldenfalle rutscht – in der Hoffnung, dass es irgendwann besser wird?Ich sage: Wir müssen jetzt handeln.
Was ist mein Ansatz – und warum kandidiere ich?
Ich komme aus der Wirtschaft. Ich habe keinen Verwaltungshintergrund. Ich kenne die Verwaltung bisher aus Sicht eines Bürgers. Aber ich kann Ihnen sagen: Gerade deshalb fällt mir einiges auf – und gerade deshalb traue ich mir zu, Dinge anders anzugehen.
Ich bin nicht angetreten, um Verwaltung zu verwalten.Ich bin angetreten, um Probleme zu lösen.
Und ich sage Ihnen ganz offen: Ich bin kein „großer Redner“. Aber ich bin jemand, der mit Menschen reden will. Mit Bürgerinnen und Bürgern. Mit Unternehmern. Mit Vereinen. Mit Experten. Ich will nicht, dass wir für jedes Problem zuerst eine Kommission gründen und dann teure Berater holen, die nachher wieder weg sind. Das Wissen ist da: in der Verwaltung, im Gemeinderat, bei den Bürgern, in den Hochschulen in Stuttgart und Tübingen. Wir müssen es nur zusammenbringen – und umsetzen.
Ich habe auch keine Scheu, rauszugehen, Klinken zu putzen, Türen zu öffnen, Gespräche zu führen – für neue Unternehmen, für neue Flächen, für Fördermittel, für Kooperationen. Denn genau das braucht Böblingen wieder: Führung, die aktiv wird.
Und jetzt kommt der wichtigste Punkt: Wir brauchen nicht nur Einzelprojekte. Wir brauchen nicht nur Maßnahmenkataloge. Wir brauchen etwas, das uns verbindet.
Wir brauchen ein gemeinsames Ziel für Böblingen. Ein Ziel, unter dem sich alle versammeln können.
Mein Bild dafür ist klar:Böblingen als großes, innovatives Dorf. …und zwar ‚Dorf‘ im positiven Sinne!
Ein Ort, an dem man gerne lebt.Ein Ort, an dem Unternehmen gerne investieren.Ein Ort, an dem Fachkräfte sagen: „Nicht München. Nicht Köln. Nicht Frankfurt. Nicht Berlin. Ich will nach Böblingen.“
Ein innovatives Dorf bedeutet: modern, digital, zukunftsorientiert – aber menschlich, nahbar, gemeinschaftlich.
Und dieses Ziel heißt: Wir wollen Spitze sein. Nicht aus Eitelkeit. Sondern weil wir es uns leisten müssen, gut zu sein. Und weil wir es können.
Spitze sein bei:
Bildung: Moderne Schulen, verlässliche Betreuung, innovative Konzepte für unsere Kinder und Jugendlichen sowie bei der Erwachsenenweiterbildung.
Wirtschaft: Attraktive Gewerbegebiete, schnelle Genehmigungen, aktiver Kontakt zu Entscheidern, echte Ansiedlungsstrategie.
Lebensqualität: Freizeit, Kultur, Vereine, Orte der Begegnung – in Böblingen und Dagersheim.
Mobilität: Verkehrskonzept und nutzerfreundliche Öffis, damit wir uns sicher und schnell bewegen können – ob Auto, Rad, zu Fuß oder Bus.
Energie und Klimaschutz: Erneuerbare Energie als Standortvorteil – und Klimaneutralität als wirtschaftliche Chance, nicht als Bürde.
Digitalisierung: Nicht nur Papier scannen – sondern Prozesse modernisieren und laufend optimieren, Bürgernähe schaffen und Beteiligung ermöglichen.
Und: Je innovativer und fortschrittlicher unsere Konzepte und Ideen sind, umso mehr Fördergelder werden wir bekommen. Je besser und überzeugender unsere Konzepte und Lösungen ausgearbeitet sind, desto mehr Unterstützung werden wir bekommen und desto schneller werden wir sie umsetzen können.
Wie setzen wir das um?
Ich glaube an einen einfachen Grundsatz: Wo wir ein Problem sehen, stellen wir eine Aufgabe.
Eine Aufgabe an die Verwaltung.Eine Aufgabe an die Bürgerschaft.Eine Aufgabe an unsere Unternehmen.
Die BBapp, die uns alle vernetzt, wird ein zentrales Werkzeug dabei sein.
Und dann erarbeiten wir die Lösungen gemeinsam – pragmatisch, schnell, bezahlbar. Lösungen, die Wissen und Kompetenz in Böblingen aufbauen, statt sie nach außen zu vergeben. Und ja: Im besten Fall entstehen daraus sogar neue Geschäftsmodelle, neue Ideen, neue Arbeitsplätze.
Denn das ist der Kern: Böblingen darf nicht länger getrieben sein. Böblingen muss wieder gestalten.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,wir leben von unserer Substanz. Die Rücklagen sind fast aufgebraucht. Eine Schuldenspirale droht. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir unseren Gestaltungsspielraum – und damit die Zukunft unserer Stadt.
Aber ich sage Ihnen auch: Böblingen kann mehr.Mehr als Stillstand in 8 Jahren unter OB Belz.Mehr als leere Versprechungen.Mehr als Schulden.
Wir können wieder eine Stadt werden, die Menschen anzieht – Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Fachkräfte, Ideen. Eine Stadt, in der man Teil sein möchte. Teil eines großen, innovativen Dorfes.
Das ist der Weg, den wir nehmen müssen, um der Schuldenfalle noch zu entgehen. Es ist der Weg in eine Wohlstandsspirale.
Wenn Sie diesen Weg mitgehen wollen – mit Mut, Vernunft, Klarheit und echter Zusammenarbeit – dann bitte ich Sie um Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung.
Mit vielen Leuten habe ich in den vergangenen Wochen intensiv an innovativen, aber realistischen Konzeptideen gearbeitet. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen könnten, sich diese auf meiner Internetseite www.BB-OBtimal.de anzuschauen und sich eine eigene Meinung dazu bilden könnten.
Vielen Dank.
…und die Abschlussrede:
Ich möchte Sie alle eindringlich bitten, alle Wahlprogramme der OB-Kandidatin und der übrigen OB-Kandidaten kritisch durchzulesen und sich dabei immer zu überlegen, ob die vorgeschlagenen Ideen uns wirklich weiterbringen werden oder nur einfache Schlagworte ohne Substanz und ohne konkrete Lösungen sind, und uns damit einfach nicht weiterbringen. Oder gar nur von einer Wahlkampfagentur aus Tübingen formuliert wurden wie insbesondere bei OB Belz.
In meinem Wahlprogramm auf www.bb-obtimal.de finden sie echte Konzeptideen, die ich in den letzten Wochen erarbeitet habe. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, diese zu lesen.
Bitte bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.
Nochmal: Ich bin kein großer Redner. Meine Stärke liegt in der Analyse, im Austausch mit anderen und im Finden und Umsetzen von Lösungen.
Ich bin kein Parteisoldat, der einer Parteilinie folgen muss. Böblingen und Dagersheim brauchen das nicht mehr.
Ich bin ein Böblinger, dem die Zukunft unserer Heimatstadt wirklich am Herzen liegt.
Ein verantwortungsbewusster und ehrlicher Kümmerer.
Bitte gehen Sie am kommenden Sonntag wählen. Die Zukunft von Böblingen und Dagersheim liegt in Ihrer Hand.
Und über Ihre Stimme würde ich mich natürlich sehr freuen…