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Wie können wir bezahlbaren Wohnraum schaffen?

  • 17. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

 

Aktuell scheint die Wartefrist für eine bezahlbare Wohnung für eine Kleinfamilie in Böblingen bei etwa 2 Jahren zu liegen. Halten Sie das für unsere Stadt Böblingen nicht auch für viel zu lange?

Ist das Bauen von noch mehr teurem Wohnraum von BBG und anderen Bauunternehmen, welche die Wohnungen anschließend an Investoren zur teuren Vermietung verkaufen, die Lösung? Ich denke nicht.

Ist nicht vielmehr der Leerstand von Altbauwohnungen und die Fehlbelegung von gefördertem Wohnraum in der Stadt der wahre Kern des Problems?

Die Stadt und allen voran der Oberbürgermeister müssen Lösungen suchen, damit

•         Wohnungsbesitzer, die in der Vergangenheit Steuervergünstigungen bekommen haben, um Wohnraum zu schaffen, aber diesen trotzdem nicht vermieten, diese Wohnungen zur Miete anbieten,

•         den Besitzern von Altbauwohnungen geholfen wird, die Wohnungen zu sanieren, um diese wieder vermietbar zu machen, und

•         durch die BBG günstiger und qualitativ akzeptabler Wohnraum statt teurer Wohnungen geschaffen wird. Zur Erklärung: Mit dem Neubau in der Waldburgstraße hält die BBG derzeit für Böblingen den Rekord für Quadratmeterpreise bei Neubau-Eigentumswohnungen mit bis zu 8.000 EUR/qm; im Pulse wurden Mietwohnungen geschaffen, die entweder ohne Küche zu 16,50 EUR/qm oder mit Küche zu Mietpreisen von 18 bis 19 EUR/qm auf den Markt gekommen sind und somit den Mietspiegel für ganz Böblingen nach oben treiben.

•         Mieter, die geförderten Wohnraum bewohnen, aber durch eine positive Einkommensentwicklung heute keinen Anspruch mehr darauf hätten, ihre günstige, aber zu 'Unrecht' bewohnte Wohnung freigeben können für Familien und Einzelpersonen, die sich ganz einfach keine andere Wohnung leisten können.

Was bringt es daher, in großem Stil große Mehrfamilienhausblöcke zu bauen, wenn es doch, wie jeder weiß, der Traum der meisten Familien ist, ein kleines Häuschen zu bewohnen, am liebsten mit einem kleinen Garten, besonders nach der Zeit der Pandemie? Dass diese Kettenhäuser nicht viel mehr Platz brauchen als große Wohnblöcke mit großem Abstand zur Nachbarbebauung, kann man in einigen Wohngebieten hier in Böblingen bereits sehen. In einer günstigen Bauweise dürften diese Kettenhäuschen eine gute Rentabilität für Investoren haben, und das schon bei relativ niedriger Miete. Verträgliche Nachverdichtung statt neuer Wohnquartiere mit hoher Bebauungsdichte beugt auch der Gefahr der 'Ghettobildung'/sozialer Segregation vor und erhöht zugleich den Wert von Grundstücken und Immobilien in der Nachbarschaft.

Böblinger Architekten und Baufirmen werden das leicht umsetzen können. Die Stadt muss dafür nur schmale Streifen in Wohngebieten, die noch unbebaut sind, durch Änderung des Bebauungsplanes freigeben und erschließen. Durch diese Nachverdichtung wird die Stadt ja dann auch weitere Einnahmen bekommen, die sie für notwendige Investitionen bereithalten kann. Einige Grundstücke im Besitz der Stadt würden sich dafür durchaus anbieten.

Ganz unabhängig von diesem Aspekt der verträglichen Nachverdichtung müssen sämtliche Bebauungspläne in Böblingen und Dagersheim, die teilweise noch aus den 1950er Jahren stammen, auf einen einheitlichen neuen Stand gebracht werden. Im Innenstadtbereich von Böblingen sowie in der Ortsmitte von Dagersheim existieren teilweise noch gar keine Bebauungspläne, so dass auch hier die Gelegenheit genutzt werden kann, auch für diese Bereiche vernünftige und an die heutigen Anforderungen angepasste Bebauungspläne zu erarbeiten.

Die Geschichte von Böblingen zeigt ja auch, dass Unternehmen, die für Ihre Fachkräfte Wohnraum brauchen, auch bereit sind, für Ihre Mitarbeiter Wohnraum zu schaffen. Und nicht zuletzt die Stadt, wenn sie zum Beispiel dringend benötigte Fachkräfte in der Kinderbetreuung für die Kitas oder Pflegefachkräfte für das neue Krankenhaus anwerben will. Geld durch den Verkauf und die daraus resultierenden lokalen Steuereinnahmen, oder auch die Mieten, die dadurch eingenommen werden können, wären dann für die Investitionen vorhanden. Zusätzlich muss die Stadt dafür sorgen, dass diese Bauplätze nicht an Immobilienspekulanten gehen, sondern zweckgebunden mit den nötigen Auflagen für günstigen Wohnraum genutzt werden.

Eine weitere Möglichkeit, günstigen Wohnraum zu schaffen, ist es, Baugenossenschaften zu unterstützen oder anzustoßen. Die Stadt kann durch Beratung und auch durch Einbringung von einer Anschubfinanzierung, die anschließend wieder an neue Genossenschaftsmitglieder verkauft wird, aktiv unterstützen. Durch steuerliche Vorteile und günstige Finanzierungsmöglichkeiten werden in einer Genossenschaft Wohnbaukosten gesenkt und jeder durch den Erwerb von Anteilen daran teilhaben und gemeinsam mit anderen günstig Wohnraum für sich und andere schaffen.

Günstig vermietete Neubauwohnungen tragen auch dazu bei, den aktuell nur steigenden Mietspiegel wieder in den Griff zu bekommen für bezahlbaren Wohnraum für uns alle hier in Böblingen und Dagersheim.

Warum gehen wir nicht einen großen Schritt weiter und überdenken grundsätzlich die Idee des günstigen und nachhaltigen Bauens hier in Böblingen und Dagersheim und gründen eine Einrichtung, die mit Forschungseinrichtungen wie z.B. der Universität Stuttgart das Bauen der Zukunft ganz neu betrachtet? Im Stile der Bauhausbewegung können wir ja in Böblingen eine Mustersiedlung im Stile der Weißenhofsiedlung Stuttgart, gerne auch mit einem 'Think Tank' oder einer Außenstelle der Universität zur Entwicklung von Methoden für kostengünstiges, serielles, energieeffizientes Bauen von Wohnimmobilien, etablieren. Diese Bauhaus2.0-Siedlung würde zum Ruf unserer Stadt als Wissenschafts- und Innovationsstandort beitragen und ein Anziehungspunkt für Interessierte aus aller Welt darstellen. Sie würde unserer Stadt und unserer städtischen Baugesellschaft BBG zudem Zugang zu exklusivem Know-how geben, welches in den zukünftigen Neubau von bezahlbarem Wohnraum fließen könnte.

Gleichzeitig muss es eine Ansprechperson in der Stadtverwaltung für Altbausanierung geben. Diese sollte aktiv auf Besitzer von sanierungsbedürftigen Altbauwohnungen zugehen und diesen Rat und Unterstützung anbieten. Dies ist auch wegen des Umstands sinnvoll, dass voraussichtlich weiterhin viele Wohnungen vererbt werden, die dann durch Modernisierung wieder von anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern bewohnt werden können. Schließlich besitzt die Stadt selbst viele leerstehende Häuser mit Wohnungen in der Unteren Gasse, in der Tübinger Straße und in der Poststraße, um nur einige zu nennen, die renoviert und saniert werden müssen.

Notfalls muss die BBG als Investor für die Modernisierung eingesetzt werden. Und falls deren Statuten es nicht erlauben würden, muss dies auf jeden Fall dahingehend geändert werden. Es kann nicht die Lösung sein, immer nur ältere Bestandsgebäude abzureißen und teuer neu zu bauen und gleichzeitig die Immobilienpreise und den Mietspiegel in die Höhe zu treiben. Damit kann langfristig nicht der Bedarf an günstigem und bezahlbaren Wohnraum gedeckt werden. Vor allem, wenn die BBG ihren besonderen Wettbewerbsvorteil ausnutzt und dann wie so oft nach Änderung des Bebauungsplanes riesige, überdimensionierte, architektonisch unansehnliche und für die nächsten mindestens 50 Jahre nicht ins Stadtbild passende Klötze baut und an Investoren verkauft, anstatt günstig zu vermieten. Die stadteigene BBG muss wieder ihrem ursprünglichen Auftrag gerecht werden, Stadtentwicklung in Böblingen zu betreiben und insbesondere Menschen aus prekären Wohnsituationen in bezahlbare Wohnungen zu bekommen, und das ohne das Ziel, maximalen Profit zu machen und dabei die Stadt mit Ihrem Haushaltsloch querzufinanzieren. Die BBG gehört der Stadt Böblingen und der Gemeinde Schönaich und soll sich auf diese beiden Kommunen wieder konzentrieren. So wird automatisch auch vermieden, dass sie, wie jetzt erst in Magstadt geschehen, dort unnötig Kapital bindet oder gar Verluste macht, weil sie die fertiggestellten Neubauimmobilien nicht gewinnbringend verkaufen kann.

 
 

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