Wie können unsere Öffis nutzerfreundlicher werden?
- 17. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Haben Sie auch schon unseren Busfahrplan für Böblingen angesehen und wundern sich, dass es insgesamt nur sehr wenige Buslinien gibt mit wenigen Haltestellen, die für viele ältere und gehbehinderte Mitbürgerinnen und Mitbürger oft sehr schwer erreichbar sind? Dass viele Ziele in Böblingen bei dem starren Haltestellennetz nur schwer erreichbar sind? Dass die meisten Busse direkt zum Busbahnhof fahren, wo der Nutzer dann umsteigen muss, um umständlich und langwierig endlich zu seinem eigentlichen Ziel zu kommen? Und ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass wenn Sie einen Bus sehen, meistens entweder nur sehr wenige Leute mitfahren, oder der Bus im Berufsverkehr oder nach Schulschluss gerammelt voll oder sogar übervoll ist? Oft wird man herumgeschubst, findet sogar als älterer Fahrgast keinen Sitzplatz oder auch nur ausreichend Platz für seinen Rollator? Oder der Busfahrer muss, um in unserem Böblinger Berufsverkehr den Zeitplan einzuhalten, nach dem Halt und dem Zusteigen so schnell anfahren, dass viele ältere Nutzer im Gang vor dem Hinsetzen fast das Gleichgewicht verlieren?
Die Stadtverwaltung und allen voran der Oberbürgermeister muss endlich eine deutliche Verbesserung des ÖPNV finden. Ein größeres Angebot, eine schnellere Taktung für weniger Wartezeit, ein dichteres Netz für nähere Haltepunkte und direkte Verbindungen zwischen unseren einzelnen Ortsteilen sind unbedingt nötig. Lösungsansätze gibt es viele.
Wer hat nicht schon die kleinen roten Busse mit Mainzer Kennzeichen von Köhler Transfer gesehen, oder auch die Kleinbusse der Firma Süsser aus Waldenbuch, die schon kurz vor sechs Uhr morgens in Böblingen herumfahren? Da frage ich mich, ob für die wenigen Fahrgäste außerhalb der Stoßzeiten nicht solche Kleinbusse reichen würden? Diese Kleinbusse mit bis zu 8 Mitfahrern haben einen großen Vorteil. Sie können von einem Fahrer gefahren werden, der nur einen normalen PKW-Führerschein besitzt. Ein Busführerschein, der regelmäßig erneuert werden muss, ist nicht nötig. Der Kostenvorteil ist immens. Und ich denke nicht daran, wie Köhler Transfer diese Fahrer teilweise nur ehrenamtlich einzustellen.
Außerdem brauchen diese Kleinbusse weniger Platz, kommen schneller durch unsere Straßen, haben geringere Anschaffungskosten und einen niedrigeren Verbrauch. Sie können auch viel flexibler eingesetzt werden und können Ziele anfahren, wie den Schlossberg mit unserer Stadtkirche oder das alte Amtsgericht mit seinen Veranstaltungen, was auch immense Vorteile hätte hinsichtlich eines flexibleren Fahrplanes, der unbedingt nötig ist, um mehr Mitfahrer für unsere Öffis zu begeistern. Kleinere Busse können auch leichter durch unsere verschiedenen Ortsteile fahren und so mehr und nähere Haltepunkte erreichen, damit auch ältere und gehbehinderte Böblingerinnen und Böblinger endlich die Öffis nutzen können. Durch Schleifenfahrten in unseren verschiedenen Ortsteilen ist die Busverbindung auch viel näher und viel effizienter. Ein Busruf gibt es schon in vielen Gemeinden in Deutschland. Warum sollte ein solcher wichtiger Service nicht auch in Böblingen funktionieren?
Gleichzeitig müssen die größeren Busse weiterhin für den überregionalen Verkehr eingesetzt werden, die direkt über Stichstraßen zügig zum Busbahnhof als Hub fahren. Von dort werden dann alle gewünschten Ziele flexibel erreichbar sein.
Das verbesserte Verkehrskonzept erlaubt es dank der Stichstraßen, Ringstraßen und der geringeren Verkehrsbelastung, zukünftig zügiger mit den Öffis in unserem Böblingen ans gewünschte Ziel zu kommen.
In Zukunft kann durch die höhere Taktung und die kürzeren Wartezeiten ein fixer und festgelegter Busfahrplan entfallen, und wie in Paris einfach nur die Ankunftszeit des nächsten Busses am Haltepunkt angezeigt werden. In der BBapp wird in Zukunft zudem der genaue Aufenthaltsort des gewünschten Busses angezeigt. Dadurch steigt unsere Lebensqualität, die Mobilität vieler auch älterer und einsamer Mitbürgerinnen und Mitbürger wird verbessert, und das Verkehrsaufkommen in der Innenstadt wird dadurch deutlich reduziert werden.
Mit unserer BBapp muss dann auch eine Möglichkeit angeboten werden, dass jeder nicht nur sein Ticket jedes Jahr oder bei Bedarf direkt kaufen kann, sondern dass der Nutzer seinen Start- und Zielpunkt eingibt, und eine KI den Busfahrplan unserer Öffis nach dem wirklichen Bedarf anpassen kann. Für alle Böblingerinnen und Böblinger, die keine BBapp nutzen werden, muss eine Anlaufstation auf der Stadt erreichbar sein, die sich um alle Fragen des ÖPNV kümmert und für alle der erste Ansprechpartner ist, um dort dieselben Dienstleistungen bekommen zu können.
Wenn also nur so zum Beispiel jemand von uns regelmäßig immer zur gleichen Zeit über einen längeren Zeitraum von sich daheim an einen bestimmten Ort zum Arbeiten fahren muss, kann er oder sie diese Wunschverbindung angeben. Die KI würde dann mit allen Wünschen der anderen Öffi-Nutzerinnen und -Nutzer zusammen einen Busfahrplan berechnen. Dieser wird dann zu den Wunschzeiten Haltepunkte in der Nachbarschaft des gewünschten Fahrtzieles anbieten, falls genügend andere Nutzer solche Verbindungen zu ähnlichen Zeiten benötigen. So könnten nicht nur existierende Buslinien angepasst, sondern auch neue Buslinien nach Bedarf eingerichtet und angeboten werden.
Dieses innovative Konzept bietet die folgenden Vorteile: Bedarfsgerechte Buslinien können angeboten werden, die nicht nur wie viele am Bahnhof enden, sondern unsere Stadtteile verbinden, in einzelnen Stadtteilen in Schleifen fahren oder einfach nur in der Innenstadt im Bereich um den Schlossbergring kreisen. So werden die notwendigen Verbindungen geschaffen, um die Öffis schneller und nutzerfreundlicher zu machen. So werden auch die Ziele an etwas beschwerlichen und steilen Wegen in der Innenstadt durch die Öffis angefahren. Gerade für größere Veranstaltungen in Böblingen und Dagersheim kann so das Öffi-Angebot angepasst werden. In der Böblinger und der Dagersheimer Innenstadt muss es von Öffis 'wuseln'. Insbesondere können Kleinbusse so alle Parkflächen mit sämtlichen Geschäften verbinden. Kleinbusse haben den zusätzlichen Vorteil, ausreichendem Stauraum für Einkäufe und Rollatoren zu bieten.
Die Stadt muss auch die Möglichkeit schaffen, flexible und individuelle Gruppenfahrten buchbar zu machen, z. B. für unsere Schülerinnen und Schüler für Klassenfahrten, die Bewohner unserer Seniorenresidenzen und Pflegeheime für Ausflüge, die Organisatoren von Veranstaltungen für ihre Besucher, sowie die Mitglieder unserer Vereine, natürlich im Rahmen aller Möglichkeiten und vor allem der Kosten.
Falls für dieses Konzept kein günstiger Anbieter gefunden werden kann, muss die Stadt einspringen, den städtischen Fuhrpark erweitern, um die Öffis für Böblingen und Dagersheim zu übernehmen, und so selber zum Gestalter werden.
Auf lange Sicht werden Kleinbusse in Zukunft dann auch autonom fahren können. So kann dieses innovative Konzept mit KI noch leichter umgesetzt werden, was zusätzliche Kosten sparen wird.
Hierfür stehen gerade Fördermittel bereit.
Unser innovatives Konzept müssen wir in den überregionalen Verkehr einbinden. Gleichzeitig müssen wir versuchen, unsere regionalen und überregionalen Partner von unserem Konzept zu überzeugen, um die Öffis über Böblingen und Dagersheim hinaus zu verbessern. Bei der Umsetzung und Finanzierung müssen natürlich unsere Partner von der Bahn, dem Kreis, der Region und dem Land eingebunden werden. Förderungen und Strukturhilfen von Bund und EU werden die Kosten zusätzlich senken.
In meiner Jugend waren zum Beispiel noch Gleise auf dem Schönaicher First bei Schill und Seilacher vorbei bis in den Wald nach Schönaich vorhanden. Den Bahndamm gibt es noch. Für die Schüler aus Schönaich, die in Böblingen auf das MPG gehen, und viele andere Pendler, die täglich die Schönaicher Straße nutzen, wäre eine Reaktivierung wohl eine große Erleichterung.
Eine Verlängerung der Schönbuchbahn über Dettenhausen hinaus in Richtung Tübingen und Reutlingen könnte nicht nur für das Herman-Hollerith-Zentrum von sehr großem Vorteil sein. Das Netzwerk unserer Stadt kann aber auch einfach nur durch Erweiterung des Fahrplans auf vorhandenen Strecken in unserem Kreis vergrößert und verbessert werden zu unser aller Vorteil.